Börse: 2008 wird das Jahr der Kursschwankungen
Monday, December 31st, 2007
© katharina langer für zeit online
Das Jahr geht zu Ende, ein neues beginnt – Zeit, Bilanz zu ziehen. Unternehmen machen Inventur, Chefs stellen Zielerreichungspläne mit ihren Mitarbeitern auf, und Investoren versuchen abzuschätzen, was das neue Jahr an den Finanzmärkten so bringen wird.
Wie immer sind die Prognosen der meisten Analysten sehr optimistisch. Sie sagen weiter wachsende Gewinne voraus, steigende Aktienkurse und so weiter. Diese Kolumne will keine exakten Punktprognosen wagen, die vorhersagen würden, wo die wichtigsten Börsenindizes zur Jahresmitte oder Jahresende stehen. Solche Vorhersagen werden meist gerne zur Kenntnis genommen. Für Investoren sind sie zwar nur von begrenztem Nutzen, doch sie scheinen etwas Sicherheit in eine unsichere Zukunft zu bringen und vermitteln den Anlegern dadurch die Illusion, die weitere Entwicklung der Börsen im Griff zu haben.
Kontrollillusion nennt das die Behavioral Finance. Sie entsteht, wenn der Anleger seine Erwartungen an den Vorhersagen anderer ausrichtet. Treffen die Prognosen ein, fühlt er sich gut – entwickeln die Märkte sich aber anders als gedacht, kann er sich damit trösten, dass andere Investoren ebenso falsch lagen.
Solchen Trost bieten wir an dieser Stelle nicht. Stattdessen beschreiben wir, wie schon zum vergangenen Jahreswechsel, einige Szenarien für das kommende Jahr, die wir für wahrscheinlich halten. Das kann den Investoren Impulse geben, mehr nicht – denn kein Anleger soll von der Pflicht befreit werden, sich selbst zu überlegen, was er vom kommenden Jahr erwartet.
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Eine Gefahr, die im kommenden Jahr droht: Die USA könnte in eine Rezession schliddern. Wahrscheinlich ist, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) dann weiter die Zinsen senkt und die Europäische Zentralbank (EZB) sich im Laufe des Jahres zögerlich anschließt. Eng damit verbunden sind die Zweitrundeneffekte der Hypothekenkrise. Unter anderem entscheiden sie darüber, wie schwer die Rezession ausfallen wird, denn je schneller solche Zweitrundeneffekte auftreten, desto weniger Zeit haben die Unternehmen, sich auf sie einzustellen, und desto heftiger werden sie sich auswirken.
In Deutschland herrscht derzeit eine sehr pessimistische Grundhaltung, was die Konjunktur angeht. Mögliche Überraschungen sehen wir deshalb, wie schon vor einem Jahr, auf der positiven Seite. Eine Rezession in den USA wird sich selbstverständlich negativ auswirken, doch gerade in Deutschland ist die Binnennachfrage stabiler als vor wenigen Jahren, und die Arbeitslosenzahlen sinken. Das stellt den Aufschwung hierzulande auf eine breitere Basis.
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